Themenweg

Themenweg zur St. Antönier Lawinen.

St. Antönien wurde in der Vergangenheit oft von schweren Lawinenniedergängen heimgesucht. Der Themenweg zur Geschichte über die St. Antönier Lawinen erzählt an 11 Standorten die Ereignisse. Auf der rund zweistündigen Wanderung sieht man über das bezaubernde Bergpanorama hinaus, die Lawinenhänge und die Verbauungen. Bei jeder markierten Stele aus Original Lawinenvebauungselementen ist ein QR Code angegeben. Mit ihm kann man Näheres zur Geschichte der einzelnen Ereignisses herunterladen. Die Stelen stehen unmittelbar an den damaligen Unglücksorten.

Im Sommer ergibt sich so eine schöne Rundwanderung von ca 6 km. Die Hartmisch Alp ist mit ca. 1700 M.ü.M der höchste Punkt und ermöglicht einen schönen Blick über das ganze Tal bis hin zum Madrisahorn im Süden, dem höchsten Berg in St. Antönien auf 2826 M.ü.M.

Im Winter endet die Wanderung beim Obersthof. Wer dann noch weiter möchte, zweigt nach der Rückkehr unten an der Strasse links nach Gafien ab. In diesem Seitental (undPartnun) begann im 14. Jahrhundert die Besiedlung des Tales durch die Walser. Aus dem Dörfji im Gafiental wurden die Bewohner im 18. Jahrhundert durch zahlreiche todbringende Lawinenniedergänge vertrieben. Sie siedelten ins Haupttal, wo sie im Lauf der Zeit von den gleichen Gefahren eingeholt wurden.

Der Themenweg endet beim Haus der Lawinen, oder im Walserdeutch: dem “Laubänähus”. Dort ist die ganze Geschichte von der Zerstörung und bis zum Bau der Lawinenverbauungen nachvollziehbar, einschlisslich der visuellen und physichen Begegnung.

Die Überlebenden erzählen von ihren traumatischen Erlebnissen, und in der originalgetreu nachgebauten Stube fühlt man sich heimelig am Ofen, wäre da nicht das instensive Grollen der Lawine im Raum. Dies erinnert an den 20. Januar 1951, als die Lawine über die Köpfe der in der Stube sitzendenFamilie Flütsch hinwegging und das Haus zerstörte.

Wandererlebnis-Tipp

Den roten Stelen am Strassenrand folgen bis in den Ortsteil Rüti. Bei der Abzweigung Hotel Büel hinauf bis zum Obersthof. Wer das Handy dabei hat, erfährt Du per QR Code bei jeder Stele die Geschichte zum betreffenden Lawinenunglück.

Wir wünschen eine erlebnisreiche Rundtour!

Interaktive Karte

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Stele 1: Friedhof

Hier beim Friedhof St. Antönien ereignete sich am 5. Dezember 1964 das letzte Lawinenunglück mit Todesfolge im Siedlungsgebiet. Irma Trinkler konnte nur noch tot aus der Lawine gerettet werden Zwei weitere Verschüttete kamen mit dem Leben davon.

Das Heimwesen “Marschall” zunächst auf der gegenüberliegenden Talseite ist einige Male von der Lawine beschädigt worden. 1807 wurde hier das Kind Peter Salzgeber 52 Stunden im Schnee begraben, bevor er gerettet werden konnte.

Auch die Kirche wurde mehrmals von der Lawine erfasst. Mehr als eingedrückte Fenster waren aber nicht zu beklagen.

Stele 2: Haus Madrisa

Das Heimwesen oberhalb der Strasse ist der äusserste Meierhof.

Am 20. Januar 1951 wurden die zwei Schwestern Bethi und Anna Ladner aus dem zerstörten Haus auf die Strasse geschleudertm überlebten jedoch.

Im Haus “Madrisa”, unterhalb der Strasse, musste an diesem schwarzen Tag 1951 ein Todesopfer beklagt werden.

Mit insgesamt über 40 zerstörten Häusern und Ställen war es das schwerste Lawinenunglück im 20. Jahrhundert in St. Antönien. Beim Blick gegen das Chüenihorn mit seinen Verbauungen sieht man etwas oberhalb der Strasse auch die Häuser “Huswald” (rechts) und “Hüschergaden”. Die Lawine riss beide Ställe mit sich. Die Häuser wurden zwar stark beschädigt, blieben aber stehen.

Stele 3: Enzian

Das Haus “Enzian” auf der rechten Seite oberhalb der Strasse wurde erstmals 1921 erbaut, ohne Lawinenschutz.

Am 4. Februar wurde das Haus zerstört und die vierköpfige Familie Flütsch fand darin den Tod. In der Folge wurde es wieder am selben Standort aufgebaut und auf der Rückseite mit einem mächtigen Lawinenschutz aus Beton versehen.

Oberhalb steht das Haus “Matta”. Auch dieses wurde 1935 ein Opfer derselben Lawine mit weiteren drei Verstorbenen. Östlich von der Matta liegt das Heimwesen “Gädmen”. 1919 wurde das Haus zerstört und ein Todesopfer war zu beklagen.

Stele 4: Innere Meierhof

Bei der Abzweigung zur “Matta” und “Gädmen” geht der Blick hinauf zum Chüenihorn, zur Aufforstung und darüber zu den Lawinenverbauungen.

Insgesamt mehr als zwölf Kilometer lang ziehen sie sich dem Bergkamm entlang. Anfänglich aus Beton und ab den 90er Jahren durch Stahl ersetzt, schützen sie die rechte Talseite von St. Antönien.

Zuvor mussten sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Tales jeden Winter vor den Lawinen fürchten. Am 20. Januar 1951 schoss eine Lawine hier herunter und zerstörte den innersten der Meierhöfe (Haus rechts unterhalb der Strase) total.

Sieben Menschen überlebten das Unglück in der Stube, teils am Ofen sitzend. Alles Vieh kam um, alle Habe wurde total zerstört. Die ganze Geschichte erzählen überlebende Angehörige im Laubänähus.

Stele 5: Holzbodä

Diese Stele steht am Fuss des berüchtigten Bärätobel. Diese Lawine kam jeweils im Frühjahr als Nassschneelawine und überquerte die Strasse manchmal meterhoch. Heute ist auch das Bärentobel verbaut.

Stele 6: Rüti

Bei der Verzweigung Partnun-Gafien schweift der Blick auf die unverbauten Hänge am hinteren Teil des Chüenihorns (Bachtälä). Während im westlichen Teil das Siedlungsgebiet durch die Lawinenverbauungen sicher wurde, verzichtete die öffentliche Hand hier auf eine Verbauung. Die geschätzten Kosten dafür betrugen 2015 rund 25 Mio Fr.

Anstelle der Lawinenverbauungen wurden die bestehende Anwesen in der “Roten Zone” mit unabdingbarer Bewirtschaftung vor Ort mit einem Ausnahmerecht versehen. Sie können Erweiterungen an Haus und Hof vornehmen und müssen für ihren eigenen Lawinenschutz nur 20 % der Kosten übernehmen.

Stele 7: Sand

Hier geht es zum hinauf in Richtung Obersthof. Im Winter ist hier die Strasse häufiger gesperrt, da der Hang nicht verbaut ist und somit in der “Rote Zone” liegt.

Vor einigen Jahren war im Hotel Büel während des World Economic Forum (WEF) eine chinesische Delegation einquartiert. Dass sie ihren Termin in Davos nicht wahrnehmen konnte, merkten sie erst, als die Strassensperre sich wegen akuter Lawinengefahr nicht öffnen liess. Das chinesische Fernsehen zeigte die verzweifelten Menschen im Schneegestöber von St. Antönien.

Stele 8: Hof Zug

Das ist der Hof “Zug”, der seinen Namen von “Lawinenzug” hat. Hier kommen die Lawinen regelmässig herunter. Früher war dies oft mehrmals im Winter. Sie kommen meist als Staublawine, teilen sich links und rechts oberhalb vom Haus und manchmal auch darüber hinweg.

Das Laubänähus zeigt die Geschichte einer übergrossen Lawine im Jahr 2018 und lässt Familie Engel erzählen.

Stele 9: Oberscht Hof

Hier im Obersthof lebte Hans Flütsch mit seiner Familie, der Förster von St. Antönien. Er hat die Lawinenverbauungen von Beginn an begleitet und betreut bis ihn Martin Hardegger nach seiner Pensionierung 1989 ablöste.

Der Obersthof liegt in der “Blauen Zone”. Obwohl die Bachtälä-Lawine jedes Jahr bedrohlich nahe am Haus vorbeizieht steht das Haus unbeschädigt seit Jahrhunderten.

Stele 10: Hartmisch Alp

Von hier aus sind die drei einst politisch eigenständigen Gemeinden St. Antönien-Platz (Castels) in der Talsohle, auf der anderen Talseite Ascharina im Süden und Rüti im Osten. Die Geschichte der Fusionen, Rüti und Castels zur Gemeinde St. Antönien 1979, Beitritt von Ascharina 2007, seit 2016 teil der Gemeinde Luzein.

Vom gegenüberliegenden Eggberg trafen viele zerstörische Lawinen das Gebiet Marschall bis Ausser-Ascharina. Die Verbauungen dort trugen ab den frühen 2000er Jahren zu einer grossen Verbesserung der Sicherheit in Lawinenwintern bei.

Im Westen liegt das hohe Aschüel. Dort starben am 11. Januar 1954 Barbara Thöny und ihr Sohn Gusti in den Trümmern ihres Hauses nach einem Lawinenniedergang.

Aus dieser Perspektive sieht man auch die verschiedenen Lawinenschutzvorrichtugen an den rückwärtigen Seiten der Häusern: vom Ebihöch als Spaltkeil, Firsthohen Aufschüttungen von Erdmaterial bis zu den betonierten und armierten hangseitigen Rückwänden.

Stele 11: Naturspielweg

Durch diesen Holzrahmen sieht man das einst schwer getroffene Gebiet am Chüenihorn und am Eggberg.

Auf dem unteren Bildrand in der Mitte liegt die Schwendi. 1689 ist dort einer der schwersten Lawinenniedergänge mit 13 Toten dokumentiert. Die Lawinenverbauungen, welche für insgesamt ca 30 Mio Fr. ab 1953 erstellt wurden, retteten das Tal vor der Abwanderung.

Ziel: Laubänähus

Das "Haus der Lawinen" oder wie wir Einheimische es nennen: "ds Laubänähus" erzählt die Geschichte der St. Antönier Lawinen im Siedlungsgebiet. Es berichtet aber auch über die schweren Unglücke ausserhalb, am Chrüz und am Jägglishorn.

"Ds Laubänähus" ist auch eine Hommage an Peter Flütsch-Haude (1998-1957), der sich wie kein anderer für den Lebensraum seines Heimattals und die Verbauungen einsetzte. Am Ort, wo er auf dem Weg zu den Verbauungsarbeitern verunglückte, steht ein Gedenkstein.